WebDav unter Linux einrichten - Fortgeschritten
Bei aktivierter Zwei-Faktor-Authentifizierung benötigen Sie für die Einbindung von mailbox Drive über WebDAV zwingend ein Applikationspasswort. Das normale Passwort Ihres mailbox-Kontos funktioniert dann nicht.
Weitere Informationen dazu finden Sie im Artikel Applikationspasswörter für externe Programme.
Einrichtung – Schritt für Schritt
In dieser fortgeschrittenen Anleitung wird erläutert, wie Sie das Drive unter Linux einrichten und mit einem lokalen Verzeichnis synchronisieren. Die folgenden Schritte werden im Linux-Terminal ausgeführt. Zum Bearbeiten von Systemdateien wird außerdem ein Texteditor benötigt. Hier befindet sich eine einfachere Anleitung: WebDav unter Linux - Einfach
Schritt 1: Vorbereitung
Wenn davfs2 nicht installiert ist, installieren Sie es über den Software-Manager oder über das Terminal.
| Distribution | Installationsbefehl |
|---|---|
| Debian / Ubuntu | sudo apt install davfs2 |
| Fedora | sudo dnf install davfs2 |
| Arch Linux | sudo pacman -S davfs2 |
Schritt 2: „fstab“ Datei anpassen
Navigieren Sie zum Verzeichnis /etc:
cd /etc
Öffnen Sie die Datei fstab mit einem Texteditor (hier wird nano als Beispiel verwendet). Geben Sie Ihr root Passwort ein:
sudo nano fstab
Fügen Sie am Ende der Datei die folgende Zeile hinzu:
https://dav.mailbox.org/servlet/webdav.infostore/Userstore /media/drive davfs noauto,user,rw 0 0
Schritt 3: „davfs2“ Datei konfigurieren
Navigieren Sie zum davfs2 Verzeichnis:
cd /etc/davfs2
Öffnen Sie die Datei davfs2.conf mit einem Texteditor:
sudo nano davfs2.conf
Passen Sie die folgenden Konfigurationsparameter an oder fügen Sie sie hinzu, sofern sie noch nicht vorhanden sind:
| Parameter | Wert | Beschreibung |
|---|---|---|
if_match_bug | 1 | Aktiviert den Kompatibilitätsmodus für bestimmte WebDAV-Server. |
use_locks | 0 | Deaktiviert die Dateisperre, um Zugriffskonflikte zu vermeiden. |
cache_size | 1 | Legt die Größe des lokalen Caches in MB fest. |
table_size | 4096 | Größe der internen Dateizuordnungstabelle, geeignet für viele Dateien |
delay_upload | 1 | Ermöglicht verzögertes Hochladen, um die Leistung zu verbessern. |
gui_optimize | 1 | Optimiert die Nutzung mit grafischen Benutzeroberflächen. |
buf_size | 64 | Legt die Größe des lokalen Puffers in KB fest. |
Andere Konfigurationszeilen, die Sie nicht benötigen oder nicht überschreiben möchten, sollten durch Einfügen eines # am Anfang der Zeile auskommentiert werden.
Dadurch wird sichergestellt, dass nur die beabsichtigten Einstellungen aktiv sind.
Weisen Sie nun der Datei davfs2.conf Eigentumsrechte zu. Ersetzen Sie username durch Ihren tatsächlichen Benutzernamen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie Ihr Benutzername lautet, können Sie ihn mit dem folgenden Befehl herausfinden:
whoami
Hier ist der Befehl zum Festlegen der richtigen Berechtigungen:
sudo chown -Rv root:username davfs2.conf
mailbox Benutzernamen und Passwort lokal speichern
Öffnen Sie die Datei /etc/davfs2/secrets mit einem Texteditor.
sudo nano secrets
Fügen Sie in der Datei secrets die folgende Zeile hinzu:
/media/drive benutzername@mailbox.org passwort
Ersetzen Sie benutzername@mailbox.org und passwort durch Ihre Anmeldedaten für Ihr mailbox-Konto.
Wenn Ihr passwort Sonderzeichen oder Leerzeichen enthält, wird empfohlen, es in doppelte Anführungszeichen zu setzen. Bei aktivierter 2-Faktor-Authentifizierung verwenden Sie Ihr Applikationspasswort.
Um die Datei secrets vor unbefugtem Lesen zu schützen, legen Sie die richtigen Berechtigungen fest, indem Sie den folgenden Befehl nutzen:
sudo chmod 400 /etc/davfs2/secrets && sudo chown -Rv root:root secrets
Schritt 4: WebDAV-Zugriff konfigurieren
Erstellen Sie den Verzeichnis /media/drive mit dem folgenden Befehl:
sudo mkdir -p /media/drive
Weisen Sie nun diesem Verzeichnis Eigentumsrechte zu. Ersetzen Sie username durch Ihren tatsächlichen Benutzernamen. Hier ist der Befehl zum Festlegen der richtigen Berechtigungen:
sudo chown -Rv username:username /media/drive
Test I
Sie können nun einen ersten Test durchführen:
sudo mount -t davfs /media/drive
Wenn dieser Befehl ohne Fehler ausgeführt wird, ist Ihr mailbox-Drive nun lokal auf Ihrem Computer verfügbar. So können Sie sich den Inahlt anzeigen lassen:
ls /media/drive
Um den Test abzuschließen, werwefen Sie jetzt das Drive aus:
sudo umount -t davfs /media/drive
Benutzerberechtigungen anpassen
Hier erlauben Sie dem nicht privilegierten Benutzer, mit dem Sie normalerweise arbeiten, das Drive zu mounten. Fügen Sie den Benutzer zur Gruppe davfs2 hinzu. Ersetzen Sie „username“ durch den tatsächlichen Benutzernamen, mit dem Sie sich auf Ihrem Rechner anmelden.
sudo usermod -aG davfs2 username
Test II
Sie können nun einen zweiten Test durchführen:
mount /media/drive
Wenn dieser Befehl ohne Fehler ausgeführt wird, ist Ihr mailbox-Drive nun lokal auf Ihrem Computer verfügbar. So können Sie sich den Inahlt anzeigen lassen:
ls /media/drive
Wenn es zu einem Fehler kommt, dann prüfen Sie, ob Ihr username Mitgleid der davfs2 Gruppe ist. Verwenden Sie dafür diesen Befehl und ersetzen Sie „username“ durch Ihre tatsächlichen Benutzernamen:
groups username
Um den Test abzuschließen, werwefen Sie jetzt das Drive aus:
umount /media/drive
Schritt 5: automatischer mount beim Start von Linux
Um das Verzeichnis automatisch einzuhängen – also bei jedem Neustart des Systems zu verbinden – müssen Sie folgeden Befehl zum Einhängen zu Ihren Starteinstellungen oder „Startup Applications“ hinzugefügt werden. Nach dem Neustart von Linux sollte das mailbox-Drive in einem Dateimanager unter /media/drive zugänglich sein. Das Verzeichnis können Sie auch als Lesezeichen speichern.
mount /media/drive
Schritt 6 - Synchronisierung mit einem lokalen Verzeichnis
Wenn Sie ein mobiles Gerät verwenden, das über einen längeren Zeitraum offline ist, können Sie mit dieser Methode ohne Internetverbindung weiterarbeiten. Sobald das Gerät wieder mit dem Internet verbunden ist, erfolgt die Synchronisierung automatisch. Dadurch erhalten Sie eine Kopie Ihrer Dateien – eine Version wird online in Ihrem mailbox-Drive gespeichert, die andere lokal. Eine solche Redundanz kann dazu beitragen, Datenverluste zu vermeiden.
Ein lokales Verzeichnis erstellen
Um die Synchronisierung zu aktivieren, benötigen Sie einen lokalen und einen Online-Ordner (das mailbox-Drive), damit Sie später das Drive in Ihrem Dateimanager (z.B. Dolphin) angezeigen und aufrufen kö
In dieser Anleitung lauten die Verzeichnisse:
/media/drivedas mailbox-Drive/home/username/drive-local/der lokale Ordner
Erstellen Sie ein Drive Verzeichnis.
Erstellen Sie ein lokales Verzeichnis. Ersetzen Sie „username“ durch Ihren Benutzernamen.
mkdir /home/username/drive-local
Innerhalb von /media/drive/ finden Sie ein Verzeichnis mit dem in der mailbox registrierten Benutzernamen, z. B. „Max Mustermann“. Kopieren Sie den Inhalt dieses Verzeichnisses nach /home/username/drive-local/.
Variante A: Synchronisierung mit FreeFileSync
Benutzer haben FreeFileSync als eines der besten Open-Source-Programme zur Synchronisierung zweier Verzeichnisse empfohlen. Handelt es sich bei einem Verzeichnis um ein Netzwerkverzeichnis, lässt sich die Synchronisierung mit einem lokalen Verzeichnis ganz einfach einrichten.
Das Programm kann unter https://freefilesync.org/ heruntergeladen und in ein Verzeichnis entpackt werden, z. B. /home/username/Programs/FreeFileSync. Ersetzen Sie username durch Ihren Benutzernamen.
Hinweis:
Entpacken Sie .tar.gz-Dateien mit dem Terminalbefehl:
tar -xzvf FreeFileSync_XX.X.tar.gz
In der Regel kann das Entpacken auch über den Dateimanager durch Doppelklicken auf die Datei erfolgen.
Das Programm kann dann über die ausführbare Datei gestartet werden:
/home/username/Programs/FreeFileSync/FreeFileSync
(Möglicherweise müssen Sie die Bibliothek libgtk2.0 installieren.)
Geben Sie im FreeFileSync-Fenster oben die beiden zu synchronisierenden Verzeichnisse an. In unserem Beispiel (siehe Screenshot Punkt 1):
/media/drive/Max Mustermann
and (point 2):
/home/username/drive-local
Verwenden Sie das grüne Zahnrad-Symbol oben rechts (Punkt 3), um die Synchronisierungsdetails zu konfigurieren.
Klicken Sie auf das grüne Pfeil-Symbol (Punkt 4), um die Synchronisierung zu starten.
Im nächsten Schritt werden Ihnen die ausstehenden Aufgaben angezeigt. Wenn diese plausibel erscheinen, können Sie die Synchronisierung bestätigen.
FreeFileSync beim Systemstart automatisch ausführen
In Lubuntu kann der automatische Start von FreeFileSync über die LXQt-Sitzungseinstellungen eingerichtet werden:
- Öffnen Sie die Sitzungseinstellungen (
lxqt-config-session). - Wechseln Sie zu Autostart.
- Fügen Sie den folgenden Befehl hinzu:
/home/username/Programs/FreeFileSync/RealTimeSync" "/home/username/Programs/FreeFileSync/BatchRun.ffs

Abbildung 5: Automatischer Start von FreeFileSync.

Abbildung 6: Automatischer Start von FreeFileSync.
Fertig!
Jetzt können Sie testen, indem Sie Dateien in das zu aktualisierende Verzeichnis auf Ihrem Computer kopieren. In unserem Beispiel: /home/username/drive-local/.
Überprüfen Sie, ob die hinzugefügten Dateien dann unter /media/drive/ erscheinen.
Bitte beachten Sie, dass die Synchronisierung sehr großer Dateien über eine langsame Internetverbindung (insbesondere beim Hochladen) das System verlangsamen kann.
Viel Spaß mit Mailbox Drive unter Linux!
Variante B: Automatische Synchronisierung mit RealTimeSync
Bei der Installation von FreeFileSync wird auch das separate Programm RealTimeSync mitinstalliert.
RealTimeSync kann die Synchronisierung automatisch im Hintergrund durchführen. Es überwacht beide Verzeichnisse und startet die Synchronisierung, sobald es eine Änderung feststellt.
Um RealTimeSync einzurichten, benötigen Sie eine Batch-Datei, die die Synchronisierungsaufgaben enthält.
Diese erstellen Sie, indem Sie in FreeFileSync „Datei – Als Batch-Job speichern“ auswählen. Behalten Sie die Standardeinstellungen bei.

Abbildung 3: Automatische Synchronisierung mit RealTimeSync.
Standardmäßig lautet der Name der Batch-Datei „BatchRun.ffs_batch“ und sollte in diesem Beispiel unter „/home/username/Programs/FreeFileSync“ gespeichert werden.
Starten Sie nun das Programm RealTimeSync.
Es kann über die ausführbare Datei gestartet werden:
/home/username/Programs/FreeFileSync/RealTimeSync
Geben Sie in RealTimeSync die beiden zu synchronisierenden Verzeichnisse erneut an (Punkte 1 und 2 im Screenshot).
Geben Sie für die auszuführende Befehlszeile (Punkt 3 im Screenshot) Folgendes ein:
/home/username/Programs/FreeFileSync/FreeFileSync /home/username/Programs/FreeFileSync/BatchRun.ffs

Abbildung 4: Automatische Synchronisierung mit RealTimeSync.
RealTimeSync zeigt durch zwei rote Pfeile in der Taskleiste an, dass es aktiv ist.
Sobald die Synchronisierung beginnt, erscheinen zwei grüne Pfeile, die nach Abschluss der Synchronisierung wieder verschwinden.
Ab sofort können Sie Daten immer im lokalen Verzeichnis speichern:
/home/username/drive-local/
Anschließend synchronisiert sich RealTimeSync mit dem mailbox-Drive.
Hinweis: Einschränkungen von RealTimeSync
Mit RealTimeSync können Sie festlegen, wie lange nach der Erkennung einer Änderung gewartet werden soll, bevor die Synchronisierung gestartet wird („minimale Ruhezeit“). Während der Synchronisierung wird die Verzeichnisüberwachung vorübergehend ausgesetzt. Wenn während dieser Zeit Dateioperationen stattfinden, werden diese nicht sofort erkannt. Die Synchronisierung dieser Dateien wird jedoch bei der nächsten automatischen oder manuellen Synchronisierung nachgeholt.
